Ein kurzes Essay von unserem Schreiberling Carsten N.

Geschrieben von Bernhard in Gastbeiträge am 11.02.2014 00:28

Der Winter bietet eigentlich nur dem Raubfischangler echten Trost, der Fänge gehen zurück aber die Stückgröße nimmt enorm zu.

- Vorausgesetzt die Fische dürfen groß genug werden, aber hierzu später. -

Nun im Februar sind die Weihnachtsmärkte vorbei, aber in der Regel ist er der kälteste deutsche Monat, der Hecht ist weitestgehend geschont und die großen Zander treiben ihr Unwesen in unseren Gewässern. Aber unsereins fällt es denkbar schwer sich in diesen Monaten zusammen zu raffen, das Tackle zu packen und die Räuber zu stellen. Schließlich muss man sich erst dick einpacken, unter Umständen die Scheiben kratzen und uns überlegen womit wir unsere Finger vor dem Einfrieren bewahren können.

Super ist allerdings diesen Januar und Februar 2014 ist bisher das Thermometer erst sehr selten im Rheinland unter 5° gefallen, ich konnte viele Tage am Rhein bei Neuwied und Koblenz in Sonnenbrille und leichter Bekleidung, ja sogar mit Sportschuhen meinem Hobby frönen.  So traf ich erst kürzlich eine Gruppe junger Angler die am 30.01.2014 den Hecht verabschieden wollten in die wohlverdiente Ruhephase, diese berichteten mir von einigen guten Fischen die sie bereits an diesem Tag gefangen haben und gerade als wir wieder gemeinsam zum Fischen übergingen konnte einer der Jungs einen stolzen 90cm Hecht haken und auch wirklich sauber ohne große Operation seinen Element zurückgeben. Es wäre auch wirklich schade um den Fisch gewesen, so kurz vor der Laichzeit entnommen zu werden.

Was mich nachdenklich macht ist die immer wieder aufkommende Catch & Release Diskussion.

Sollten wir als Angler wirklich jeden Fisch der das Mindestmaß erreicht hat töten?

Ist es kein besonderer Vorteil des Angelns gegenüber des Jagens, das wir die lange Tradition der Fischerei und Bestandserhalt durch freilassen von Trägern guter kräftiger Gene  miteinander verbinden können?

Ich sehe ohnehin einen Konflikt des Fischereirechts hier aufgetan, schließlich gilt hier das Gebot „Ein Fisch ist nur zu töten, für die sinnvolle Verwertung von Mensch und Tier.“ Schließt das mit ein, dass ich auf einen ggf. solch kapitalen Fisch, dass ich ihn unter Umständen nicht sinnvoll verwerten kann gar nicht angeln darf? Würde das für die Karpfenangler bedeuten, diese sollten nur Karpfen bis maximal 5kg beangeln, möglichst gezielt um bloß keinen verschlammten 20-pfünder in den Ofen schieben zu müssen? Kann mich als Angler überhaupt jemand zwingen, einen Fisch den ich nicht verwerten möchte zu töten? Kann ich überhaupt vorhersehen, welcher Fisch beißt?

Ich denke hier finden wir Diskussionsbedarf, natürlich sollte das Angeln auch der Fischverwertung dienen, aber nur im Nebenaspekt, es geht hier in meinen Augen vielmehr um eine kunstvolle Tradition die mit Zeit und Kultur wächst. Es wäre zu Schade, wenn noch mehr Arten ausgerottet oder zurückgedrängt würden, als es so schon sind, nur um dieser Entnahmeregelung gerecht zu werden.

Befinde ich mich hiermit bereits in einem Bereich des zivilen Ungehorsams?

 

Ich hoffe ich konnte hier einige zum Nachdenken anregen, insbesondere diese die auf diese wirklich fadenscheinige Gesetzgebung pochen.

 

Mit besten Grüßen an alle die noch Ihr eigenes Gewissen entscheiden lassen.

 

Carsten N.